Pilze im Rasen bestimmen – so erkennst du die häufigsten Arten

Wer Pilze im Rasen findet und wissen will, was da wächst, steht vor einer nicht ganz einfachen Aufgabe. Pilze sind eine der artenreichsten Gruppen von Lebewesen überhaupt, und viele Arten ähneln sich auf den ersten Blick stark. Eine sichere Bestimmung aus dem Gedächtnis oder nach einem kurzen Foto ist selbst für erfahrene Gärtner kaum möglich.

Was dieser Artikel leisten kann: einen Überblick über die Arten, die im heimischen Rasen besonders häufig vorkommen, mit ihren typischen Merkmalen. Als Ausgangspunkt – nicht als Bestimmungsgarantie.

Worauf man bei der Bestimmung achtet

Bevor es um konkrete Arten geht, ein paar grundlegende Beobachtungspunkte, die bei der Einschätzung helfen:

Hutform und -farbe – gewölbt, flach, trichterförmig, glockig? Braun, grau, weiß, cremefarben, rötlich?

Lamellen – Wie sind die Lamellen unter dem Hut angeordnet? Eng oder weit gestellt? Welche Farbe haben sie – weiß, rosa, braun, schwarz?

Stiel – Hohl oder voll? Mit Ring? Mit Knolle oder Scheide an der Basis?

Geruch – Angenehm pilzartig, mehlig, unangenehm, chemisch?

Standort – Einzeln oder in Gruppen? Im Kreisbogen? In der Nähe von Baumstümpfen oder Wurzeln?

Diese Beobachtungen zusammen geben mehr Hinweise als jedes einzelne Merkmal für sich.

Die häufigsten Arten im Überblick

Nelkenschwindling (Marasmius oreades)

Einer der häufigsten Rasenpilze in Deutschland. Kleiner, hellbrauner Hut mit einem typischen Buckel in der Mitte, der auch bei älteren Exemplaren meist erhalten bleibt. Lamellen weit gestellt, cremeweiß. Stiel zäh und biegsam – das ist ein charakteristisches Merkmal. Wächst oft in Gruppen oder Kreisbögen und ist der häufigste Verursacher von Hexenringen auf Rasenflächen.

Wichtig: Ähnliche Arten wie der Gifttrichterling (Clitocybe rivulosa) können leicht verwechselt werden. Dieser wächst ebenfalls auf Rasenflächen, hat aber engere Lamellen und einen trichterförmigeren Hut im Alter – und ist giftig.

Tintlinge (Coprinellus und Coprinus spec.)

Unverkennbar in ihrer späteren Phase: Der Hut löst sich von außen nach innen schwarz auf – die sogenannte Autodigestion. Junge Exemplare sind oft eiförmig bis glockenförmig, grau bis graubraun. Wachsen häufig in Gruppen, oft nach Regen, und vergehen innerhalb weniger Tage. Der Schopftintling (Coprinus comatus) mit seinem markanten weißen, fransigen Hut ist ebenfalls gelegentlich auf Rasenflächen zu finden.

Rasenschwindling / Gemeine Haube (Conocybe spec.)

Sehr kleine, unscheinbare Pilze mit schmalem, kegelförmigem bis glockigem Hut in ockerbraun bis rotbraun. Stiel dünn und zerbrechlich. Wachsen oft einzeln zwischen den Grashalmen und fallen kaum auf. Trotz ihrer Unscheinbarkeit enthält zumindest eine Art dieser Gattung – Conocybe filaris – gefährliche Amatoxine, die auch in anderen hochgiftigen Pilzen vorkommen.

Champignonarten (Agaricus spec.)

Im Rasen können verschiedene Champignonarten wachsen, darunter der Wiesenchampignon (Agaricus campestris). Weißer bis cremefarbener Hut, rosafarbene bis dunkelbraune Lamellen (je nach Reifegrad), charakteristischer Ring am Stiel. Fleisch verfärbt sich beim Anschneiden nicht oder nur leicht.

Achtung bei der Verwechslung: Der Karbolchampignon (Agaricus xanthodermus) riecht unangenehm nach Tinte oder Karbol und verfärbt sich beim Anschneiden an der Stielbasis intensiv gelb. Er verursacht Magen-Darm-Beschwerden und wächst ebenfalls auf Rasenflächen.

Rüblinge (Gymnopus spec.)

Kleine bis mittelgroße Pilze, meist in Gruppen, oft auf Grasstoppeln oder abgestorbenen Grasresten wachsend. Hut flach bis leicht gewölbt, braun bis rotbraun, Lamellen weiß bis cremefarben. Unauffällig, aber häufig. Meistens harmlos, aber ohne sichere Bestimmung nicht zum Essen geeignet.

Was diese Liste nicht leistet

Diese Übersicht gibt Orientierung – aber keine Sicherheit. Pilze derselben Art können je nach Alter, Witterung und Standort sehr unterschiedlich aussehen. Und einige der gefährlichsten Arten – wie Rißpilze (Inocybe spec.) oder bestimmte Trichterlinge – sehen unscheinbar aus und fallen im Rasen kaum auf.

Wer einen Pilz wirklich sicher bestimmen möchte, kommt um eine persönliche Beratung durch einen erfahrenen Mykologien nicht herum. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie bietet über ihre Regionalgruppen Pilzberatungen an.

Für die wichtige Frage, welche Arten speziell für Kinder und Hunde gefährlich werden können, gibt es einen eigenen Artikel: Pilze im Rasen giftig. Und wer sich fragt, wie Pilzbefall im Rasen überhaupt aussieht – also Pilze als Rasenkrankheit statt als Fruchtkörper – findet das im Artikel Rasenpilz erkennen.