Was sind die Pilze, die in einem Kreis auf dem Rasen wachsen?

Wer zum ersten Mal einen perfekten Kreis aus Pilzen im Rasen entdeckt, bleibt unweigerlich kurz stehen. Das sieht nicht zufällig aus – und ist es auch nicht. Pilze, die in einem Ring oder Halbkreis wachsen, folgen einer Logik, die sich tief im Boden abspielt und die Menschen seit Jahrhunderten fasziniert und beschäftigt hat.

Früher hieß es, Feen oder Hexen hätten dort getanzt. Daher der Name: Hexenring. Die Erklärung ist nüchterner, aber nicht weniger interessant.

Wie ein Hexenring entsteht

Alles beginnt mit einer einzelnen Pilzspore, die an einer Stelle im Boden keimt. Von dort aus wächst das Myzel – das unterirdische Pilzgeflecht – gleichmäßig in alle Richtungen nach außen. Weil das Wachstum kreisförmig verläuft, entsteht mit der Zeit ein Ring: Die Außenkante des Myzels ist aktiv und bildet Fruchtkörper, während das Innere bereits abgestorben oder erschöpft ist.

Ein Hexenring wächst jedes Jahr ein kleines Stück weiter nach außen. Langsam, aber kontinuierlich. Alte Ringe können mehrere Meter Durchmesser erreichen und sind manchmal Jahrzehnte alt. Der Radius eines Rings verrät grob, wie lange das Myzel bereits im Boden aktiv ist – bei einem Wachstum von etwa 20 bis 30 Zentimetern pro Jahr lässt sich das ungefähr rückrechnen.

Was man an der Rasenfläche sieht

Nicht jeder Hexenring ist gleich. Es gibt drei klassische Erscheinungsformen:

Die auffälligste: Pilzfruchtkörper stehen sichtbar im Kreisbogen. Das ist das, was die meisten vor Augen haben.

Häufiger ist aber eine Version ohne sichtbare Pilze – dafür zeigt der Rasen einen dunklen, üppig wachsenden Streifen. Das liegt daran, dass das Myzel beim Abbauen von organischem Material Stickstoff freisetzt, der die Gräser kurzfristig düngt. Dunkleres, kräftigeres Gras in einem Kreisbogen ist also ebenfalls ein Hexenring – nur ohne sichtbare Fruchtkörper.

Die dritte Variante ist die unangenehmste: Der Rasen stirbt im Ring ab. Das passiert, wenn das Myzel so dicht wird, dass es den Boden wasserabweisend macht. Das Gras trocknet regelrecht aus, auch wenn es regnet – das Wasser kann nicht mehr eindringen.

Welche Pilzarten bilden Hexenringe?

Viele verschiedene Arten können Hexenringe bilden. Im heimischen Garten sind es häufig Nelkenschwindlinge (Marasmius oreades) – kleine, hellbraune Pilze mit auffällig zähem Stiel. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für Hexenringe in Rasenflächen und kommen immer wieder, solange das Myzel lebt.

Auch Champignonarten, Tintlinge oder verschiedene Rüblinge können ringförmig wachsen. Die Art lässt sich ohne genauere Bestimmung nicht sicher zuordnen – aber für den Umgang mit dem Hexenring ist das in den meisten Fällen auch nicht entscheidend.

Was man dagegen tun kann – und was nicht

Ein Hexenring verschwindet nicht von selbst, solange das Myzel aktiv ist. Das ist die wichtigste Information für alle, die auf eine schnelle Lösung hoffen.

Das Entfernen der Fruchtkörper hilft, den Sporendruck zu reduzieren und das optische Problem zu verringern. Für die Bekämpfung des Rings selbst reicht es nicht.

Was tatsächlich hilft, sind zwei Ansätze: intensives Durchstechen des Bodens im Ringbereich mit einer Grabegabel oder einem Aerifizierer, kombiniert mit sehr gründlicher Bewässerung. Das Ziel ist, das Myzel zu stören und den wasserabweisenden Effekt im Boden aufzubrechen. Bei hartnäckigen Ringen kann es nötig sein, die oberste Bodenschicht im betroffenen Bereich auszutauschen – mitsamt dem Myzel. Das ist aufwendig, aber oft die einzige Möglichkeit, den Ring dauerhaft loszuwerden.

Wer gezielt gegen Hexenringe vorgehen möchte, findet in dem Artikel Hexenringe im Rasen bekämpfen eine ausführlichere Schritt-für-Schritt-Beschreibung.

Ein Hexenring als Bodenzeichen

Es gibt noch etwas, das viele nicht wissen: Ein Hexenring entsteht nicht einfach so. Er braucht organisches Material im Boden als Nahrungsgrundlage – alte Wurzeln, Totholz, Rasenfilz. Wo ein Ring wächst, ist fast immer auch etwas im Boden, das verottet. Das ist kein Zufall, sondern Teil des natürlichen Abbauprozesses.

In gewissem Sinne zeigt ein Hexenring also, dass der Boden arbeitet. Das macht ihn nicht weniger lästig – aber es hilft, ihn richtig einzuordnen.