Gibt es Rasensorten, die weniger anfällig für Pilze sind?

Wer wiederholt mit Rasenpilzen zu kämpfen hat, fragt sich irgendwann, ob man das Problem nicht schon bei der Rasenwahl verhindern kann. Die Frage ist berechtigt – und die Antwort lautet: Ja, es gibt tatsächlich Unterschiede zwischen Rasensorten, was die Anfälligkeit für Pilzkrankheiten betrifft.

Allerdings ist „pilzresistent“ ein Begriff, der mit Vorsicht zu genießen ist. Kein Rasen ist immun. Aber manche Arten und Sorten sind deutlich robuster als andere.

Warum Grassorten unterschiedlich anfällig sind

Rasengräser sind keine einheitliche Masse. Verschiedene Arten – und innerhalb der Arten verschiedene Züchtungen – haben unterschiedliche Eigenschaften: Wuchsform, Zellwandstärke, Wachstumsgeschwindigkeit, Reaktion auf Feuchtigkeit und Kälte. Diese Eigenschaften beeinflussen, wie leicht Pilzkrankheiten Fuß fassen können.

Ein dichtes, feinblättriges Gras mit kräftigen Zellwänden bietet Pilzkrankheiten wie Rotspitzigkeit oder Schneeschimmel weniger Angriffsfläche als ein weichwüchsiges, stickstoffüberdüngtes Gras. Das ist das Grundprinzip.

Welche Grasarten als robuster gelten

Rotschwingel (Festuca rubra) gilt als eine der trockenheitstoleranten und relativ pilzrobusten Grasarten im deutschen Klimabereich. Er wächst langsam, bildet eine dichte Narbe und kommt mit weniger Wasser aus. Weniger Feuchtigkeit bedeutet weniger günstige Bedingungen für viele Pilzarten. Rotschwingel ist in vielen Gebrauchsrasen-Mischungen enthalten und eignet sich gut für schattige und trockene Lagen.

Schafschwingel (Festuca ovina) ist ähnlich robust, wird aber eher in naturnahen Flächen eingesetzt als im gepflegten Hausgarten.

Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) wächst schnell und regeneriert gut, ist aber in bestimmten Züchtungen anfälliger für Rotspitzigkeit – besonders bei Stickstoffmangel. Neuere Züchtungen mit gezüchteter Pilzresistenz sind im Handel erhältlich und zeigen im Vergleich zu älteren Sorten deutlich bessere Ergebnisse.

Wiesenrispe (Poa pratensis) bildet ein tiefes Wurzelsystem, ist trittfest und zeigt in vielen Mischungen gute Robustheit. Bei dauerhafter Feuchtigkeit kann sie anfälliger für Pilzkrankheiten werden.

Was bei Rasenmischungen zu beachten ist

Die meisten Rasensaatgut-Mischungen im Handel enthalten mehrere Arten. Das ist kein Nachteil – im Gegenteil. Eine Mischung aus verschiedenen Grasarten ist resilienter als ein Monostand, weil unterschiedliche Arten auf unterschiedliche Stressfaktoren besser oder schlechter reagieren. Wenn eine Art in einer feuchten Herbstphase unter Pilzdruck gerät, können andere Arten die Lücken füllen.

Beim Kauf lohnt es sich, auf Zertifizierungen und Sortenbezeichnungen zu achten. Das Bundessortenamt listet zugelassene Grassorten mit Bewertungen zu Eigenschaften wie Winterhärte, Ausdauer und – in manchen Kategorien – Krankheitsresistenz. Für Gebrauchsrasen gibt es außerdem die RSM-Mischungen (Regelnsaatgutmischung), die nach Verwendungszweck standardisiert und qualitätsgeprüft sind.

Was Pilzresistenz in der Praxis bedeutet

Eine pilzrobustere Rasensorte reduziert das Risiko von Pilzkrankheiten wie Rotspitzigkeit, Schneeschimmel oder Dollarflecken. Was sie nicht verhindert, ist das Wachstum von saprophytischen Pilzen – also Fruchtkörpern, die aus dem Myzel im Boden entstehen. Diese hängen vom Boden ab, nicht von der Grassorte.

Wer also Fruchtkörper im Rasen hat, weil ein altes Baumwurzelsystem im Untergrund verottet, wird das nicht durch den Wechsel der Grassorte lösen. Wer dagegen jedes Jahr Rotspitzigkeit bekommt, kann durch eine robustere Sorte und angepasste Düngung echte Verbesserungen erzielen.

Die Wahl der richtigen Grassorte ist ein langfristiger Faktor in der Rasengesundheit – kein Sofortmittel, aber eine solide Grundlage. Wer seinen Rasen neu anlegt oder größere Kahlflächen nachsät, lohnt es sich, diesen Aspekt in die Entscheidung einzubeziehen. Für einen umfassenderen Blick auf die Bodenvorbereitung lohnt sich außerdem ein Blick auf Bodenprobe bei Rasenpilzen – wer den Boden kennt, kann Sorte und Pflege besser aufeinander abstimmen.