Ein Baum wurde gefällt, der Stumpf blieb stehen oder wurde bodennah abgesägt, Erde drüber – und irgendwann wurde draufrasiert. Alles sieht ordentlich aus. Bis ein paar Monate oder ein paar Jahre später plötzlich Pilze auftauchen, genau an dieser Stelle oder im Umkreis davon. Und das immer wieder, jede Saison, egal was man macht.
Das ist kein Zufall. Es ist die direkte Folge dessen, was sich unter der Rasenoberfläche noch immer abspielt.
Warum ein Baumstumpf jahrelang Pilze produziert
Ein gefällter Baum ist oberirdisch weg. Unterirdisch ist er noch vollständig vorhanden – mit einem weit verzweigten Wurzelsystem, das sich über einen Radius erstreckt, der oft größer ist als die einstige Baumkrone. Dieses Holz verottet langsam, über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Und genau dieses rottende Holz ist eine ideale Nahrungsquelle für holzabbauende Pilze.
Das Pilzmyzel erschließt sich das Material, zieht durch die Wurzeln in alle Richtungen und bildet Fruchtkörper, sobald die Bedingungen stimmen – meistens nach Regen, im Herbst, manchmal auch im Frühjahr. Die Pilze erscheinen dann nicht unbedingt direkt über dem Stumpf, sondern überall dort, wo die Wurzeln verlaufen. Das kann bedeuten, dass Pilze quer durch den Rasen auftauchen, ohne dass auf den ersten Blick ein Zusammenhang erkennbar ist.
Ein mittelgroßer Laubbaum kann Wurzeln haben, die bis zu zehn Meter oder weiter reichen. Das Myzel, das diese Wurzeln besiedelt, hat entsprechend Spielraum.
Welche Pilzarten typischerweise auftreten
Baumstümpfe und Holzreste ziehen vor allem holzzersetzende Pilzarten an. Dazu gehören je nach Baumart verschiedene Porlings- und Blätterpilzarten, aber auch Hallimasch (Armillaria spec.) – einer der häufigsten und hartnäckigsten Verursacher bei Baumstumpf-assoziierten Rasenpilzen.
Hallimasch ist besonders tückisch: Er bildet schwarze, schnurartige Myzelstränge (sogenannte Rhizomorphen), die aktiv durch den Boden auf der Suche nach neuen Holzquellen wachsen. Er kann von einem alten Stumpf aus neue lebende Pflanzen befallen und ist deutlich aggressiver als die meisten saprophytischen Rasenpilze. Wenn Pilze rund um einen Baumstumpf auftreten und der Rasen in der Umgebung zunehmend leidet, ist Hallimasch ein ernsthafter Verdachtsfall.
Was man tun kann – realistisch betrachtet
Die ehrliche Einschätzung zuerst: Solange das Holz im Boden verottet, werden Pilze auftauchen. Das lässt sich nicht vollständig verhindern, ohne die Ursache zu beseitigen.
Stumpf entfernen lassen: Die gründlichste Lösung ist die Entfernung des Stumpfes mit einem Baumstumpffräser. Das Gerät mahlt den Stumpf mitsamt den oberen Wurzeln zu Holzmehl. Tieferliegende Wurzeln bleiben zwar im Boden, aber der Großteil der Nahrungsquelle wird beseitigt. Der Pilzdruck nimmt danach in der Regel deutlich ab – auch wenn tiefere Wurzeln noch eine Zeitlang weiterverrotten.
Abwarten mit Begleitung: Wer den Aufwand scheut oder den Stumpf nicht entfernen kann, wartet auf den natürlichen Abbauprozess. Das kann je nach Baumart und Stumpfgröße fünf bis zwanzig Jahre dauern. In dieser Zeit kann man den Pilzdruck durch regelmäßiges Entfernen der Fruchtkörper und gute Bodenpflege begrenzen – aber nicht eliminieren.
Betroffene Stellen im Rasen pflegen: Über und neben dem Stumpfbereich ist der Boden oft verdichtet und nährstoffarm. Bodenbelüftung und ein gezielter Dünger helfen dem Rasen, sich trotz der Pilzaktivität zu behaupten.
Was viele nicht auf dem Schirm haben
Nicht immer ist der Zusammenhang zwischen Holz und Pilzen sofort erkennbar. Manchmal liegt der Ursprung Meter entfernt von der Stelle, wo die Pilze auftauchen. Manchmal handelt es sich um Holzreste, die beim Gartenbau vergraben wurden – alte Zaunpfosten, Bauholzreste, Schnittgut das irgendwann unter die Erde gekommen ist.
Wer hartnäckige, wiederkehrende Pilze hat und keinen offensichtlichen Stumpf sieht, lohnt es sich, ein bisschen zu graben. Ein Spaten, einige Zentimeter tief, an der Pilzstelle – und nicht selten findet man dort ein Stück halb verrottetes Holz, das man längst vergessen hatte.
Das Myzel folgt seiner Nahrung. Die Pilze folgen dem Myzel. Wer die Ursache findet, versteht das Muster – und kann gezielter handeln. Mehr zum Zusammenhang zwischen organischem Material und Rasenpilzen erklärt der entsprechende Artikel ausführlicher.
