Man sticht mit der Grabegabel in den Boden, zieht eine Scholle heraus – und sieht weiße Fäden. Fein, netzartig, manchmal wattig oder wie Spinnweben. Das ist Pilzmyzel. Und der erste Gedanke ist bei vielen: Ist das schlimm?
Die Antwort hängt vom Kontext ab. Weißes Myzel im Boden ist nicht per se ein Problem – aber es sagt einiges darüber aus, was gerade im Boden passiert.
Was Myzel ist und warum es weiß aussieht
Pilzmyzel besteht aus mikroskopisch dünnen Fäden, den sogenannten Hyphen. Diese Hyphen verbinden sich zu einem Netzwerk, das sich durch den Boden zieht. Die weiße Farbe ist typisch für junges, aktives Myzel – es enthält keine Pigmente und reflektiert das Licht gleichmäßig.
Älteres oder abgestorbenes Myzel kann bräunlich oder grau werden und ist dann oft kaum noch vom umgebenden Boden zu unterscheiden. Frisches, weißes Myzel ist also ein Zeichen, dass der Pilz gerade aktiv ist.
Was es bedeutet, wenn man es unter dem Rasen findet
Myzel im Boden bedeutet zunächst nur: Ein Pilz lebt hier. Das ist keine Besonderheit – in praktisch jedem Gartenboden gibt es Pilzmyzel, oft in Mengen, die weit jenseits dessen liegen, was man beim Graben sieht. Der Unterschied liegt darin, wie viel es ist und woran es sich ernährt.
Wenn man beim Belüften, Vertikutieren oder zufälligen Graben weißes Myzel in dichten Strängen oder flächigen Strukturen entdeckt, deutet das auf eine konzentrierte Pilzaktivität hin. Das Myzel ernährt sich fast immer von organischem Material – Holzreste, Wurzeln, abgestorbene Grasreste. Wo viel Myzel ist, ist meistens auch viel Nahrung.
Myzel unter dem Rasen und der Zusammenhang mit Fruchtkörpern
Das Myzel ist der Organismus, der Fruchtkörper produziert. Wenn man also weißes Myzel findet und gleichzeitig Pilze auf dem Rasen hat oder regelmäßig auftauchen sieht, ist der Zusammenhang direkt. Das Myzel unten, die Pilze oben – zwei Erscheinungsformen desselben Lebewesens.
Das Finden von Myzel erklärt auch, warum Fruchtkörper immer wieder an derselben Stelle erscheinen: Das Myzel ist dort – es geht nirgendwo hin, solange es Nahrung findet. Mehr zu diesem Muster erklärt der Artikel Pilze immer an derselben Stelle im Rasen.
Wann weißes Myzel ein stärkeres Warnsignal ist
Meistens ist Myzel im Boden neutral bis harmlos – ein Zeichen biologischer Aktivität, nicht von Krankheit.
Es gibt aber Situationen, in denen es auf ein ernsthafteres Problem hindeutet:
Wenn das Myzel sehr dicht ist, flächen- oder strangförmig verläuft und der Rasen darüber schlecht wächst oder abstirbt, kann es sich um holzabbauende Pilzarten handeln, die das Bodengefüge beeinflussen. Manche Pilze – wie Hallimasch (Armillaria spec.) – bilden dicke, schwarze Myzelstränge, sogenannte Rhizomorphen, die aktiv auf der Suche nach neuem Holz durch den Boden wachsen. Diese sind weniger weiß und eher dunkel, aber das Prinzip ist ähnlich.
Wenn unter dem Myzel verrottendes Holz liegt – erkennbar an der weichen, braun-schwammigen Struktur –, ist das ein Hinweis auf einen Baumstumpf oder vergrabene Holzreste als Nahrungsquelle. In diesem Fall bleibt das Myzel aktiv, solange das Holz nicht vollständig abgebaut ist.
Was man tun kann – oder lassen
Myzel im Boden direkt zu bekämpfen ist kaum möglich. Es sitzt zu tief, ist zu weitverzweigt und zu anpassungsfähig für oberflächliche Maßnahmen.
Was sinnvoll ist: Die Bedingungen verschlechtern, unter denen das Myzel gut gedeiht. Bodenbelüftung, weniger Staunässe, Reduktion von organischem Material an der Oberfläche durch Vertikutieren. Nicht als Sofortlösung, sondern als langfristige Strategie.
Wer beim Graben Myzel findet und gleichzeitig keine Probleme mit dem Rasen hat – kein absterbenes Gras, keine Fruchtkörper, keine Feuchtigkeit – kann es in Ruhe lassen. Myzel gehört zum Boden. Es muss nicht immer gehandelt werden.
